Traumafolgestörungen/ posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Traumafolgestörungen sind vielfältige Reaktionen, die nach überwältigenden oder langanhaltenden Belastungen entstehen können. Sie zeigen sich nicht nur in Form einer klassischen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), sondern in einem breiten Spektrum an emotionalen, körperlichen und zwischenmenschlichen Herausforderungen.
Viele dieser Reaktionen sind auf den ersten Blick nicht eindeutig als traumabezogen erkennbar. Manche Menschen erleben diffuse Ängste, Schlafprobleme oder innere Unruhe. Andere spüren anhaltende Erschöpfung, Selbstzweifel oder Schwierigkeiten, im eigenen Körper Sicherheit zu empfinden.
Traumafolgestörungen entstehen, wenn das Nervensystem während oder nach einem belastenden Ereignis keine Möglichkeit hatte, wieder in Regulierung und innere Sicherheit zurückzufinden. In diesem Sinne sind sie weniger eine „Störung“, sondern vielmehr Anpassungsreaktionen; kreative und oft lebensrettende Strategien des Organismus, um Belastung zu überstehen und funktionsfähig zu bleiben.
Die PTBS ist dabei nur eine mögliche Folge traumatischer Erfahrungen. Andere Menschen entwickeln komplexe Traumafolgestörungen, somatische Symptome oder Muster in Beziehungen und im Selbstbild, die eng mit früheren Erlebnissen verknüpft sind.
Dieser Artikel knüpft an meinen Beitrag über die Wirkung von Trauma im Nervensystem an und zeigt, wie sich PTBS und komplexe PTBS (K-PTBS) im Alltag äußern können mit dem Ziel, Verständnis und Orientierung zu bieten, nicht Selbstdiagnosen.
Was sind Traumafolgestörungen und wie entsteht PTBS?
Eine PTBS ist eine spezifische Traumafolgestörung, die nach einem oder mehreren überwältigenden Ereignissen entstehen kann. Wenn die Symptome länger als einen Monat andauern und die diagnostischen Kriterien erfüllt sind, spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Dazu gehört, dass der Alltag durch die Symptome stark beeinträchtigt wird.
Bei andauernden oder wiederholten traumatischen Erfahrungen – besonders in zwischenmenschlichen oder frühen Lebenskontexten – kann sich eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (K-PTBS) entwickeln.
Die genannten Symptome sind Ausdruck eines Nervensystems, das weiterhin Gefahr wahrnimmt; selbst wenn die Situation längst vorbei ist.
Die vier Kernsymptome der PTBS
1. Wiedererleben: wenn das Trauma in der Gegenwart auftaucht
- Flashbacks
- Albträume
- Aufdringliche Erinnerungen
2. Vermeidung: Schutz vor Überforderung
- Meiden von Situationen, Orten oder Gesprächen, die an das Trauma erinnern
3. Negative Veränderungen im Denken und Fühlen
- Schuld- oder Schamgefühle
- Gefühl von Entfremdung
- Verlust von Interesse
4. Übererregung: ein Nervensystem im Dauerstress
- Schlafstörungen
- Reizbarkeit
- Schreckhaftigkeit
- Konzentrationsprobleme
Was unterscheidet die komplexe PTBS (K-PTBS)?
Die komplexe PTBS umfasst alle klassischen PTBS-Symptome und zusätzlich drei weitere Bereiche, die vor allem nach langanhaltenden oder wiederholten Traumatisierungen auftreten können.
1. Emotionsregulation: wenn Gefühle überwältigen oder verschwinden
- Schwierigkeiten, Gefühle zu steuern
- starke Wut oder emotionale Taubheit
- chronische Scham oder Schuld
2. Selbstbild: der innere Blick auf sich selbst
- Gefühl, wertlos oder beschädigt zu sein
- tief sitzende Scham
- anhaltende Selbstabwertung
3. Beziehungen: Nähe, Vertrauen und Bindung
- Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen
- Misstrauen oder starke Abhängigkeit
- Herausforderungen in stabilen Beziehungen
Wichtig: Nicht alle genannten Symptome müssen erfüllt sein, damit eine PTBS oder K-PTBS vorliegt. Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf belastende Erfahrungen, und Symptome können in Kombination und Intensität stark variieren.
Eine mögliche Diagnose gehört deshalb immer in fachkundige Hände. Nur qualifizierte Therapeutinnen oder Ärztinnen können beurteilen, ob eine PTBS oder eine andere Traumafolgestörung vorliegt. Dieser Artikel dient der Orientierung und dem Verständnis – nicht der Selbstdiagnose.
PTBS ist keine Schwäche, sondern eine Überlebensleistung
PTBS und andere Traumafolgestörungen sind keine Zeichen von Schwäche. Sie sind verständliche Reaktionen eines Nervensystems, das lange in Alarmbereitschaft war – und kreative Wege gefunden hat, um zu überleben.
Mit traumasensiblem Coaching, einem sicheren Rahmen und ausreichend Ressourcen können Menschen lernen, ihr Nervensystem zu regulieren und wieder mehr innere Sicherheit, Verbindung und Selbstvertrauen aufzubauen.
Wie traumasensibles Coaching unterstützen kann
Wenn du dich in einigen dieser Beschreibungen wiedererkennst, kann es entlastend sein zu wissen: Du musst damit nicht alleine bleiben. Auch wenn Traumafolgereaktionen sehr individuell sind, gibt es Wege, wieder mehr innere Sicherheit, Stabilität und Selbstverbundenheit aufzubauen.
Im traumasensiblen Coaching geht es nicht um Diagnosen oder therapeutische Behandlung, sondern um behutsame Begleitung. In deinem Tempo und mit Blick auf deine Ressourcen. Gemeinsam können wir erkunden, was dein Nervensystem stärkt, wie du deine Grenzen klarer spürst und welche kleinen Schritte dir helfen, mehr Regulation und Wohlbefinden in den Alltag zu bringen.
Coaching ersetzt keine Psychotherapie, kann jedoch stabilisierend und ressourcenorientiert begleiten. Insbesondere, wenn keine akute Traumatherapie angezeigt ist oder begleitend dazu.


